Quelle: Kronenzeitung vom Februar 2008 (Karin Podolak)
Wir leben mit dem Rhythmus, und zahlreiche Geräusche begleiten uns durch den Tag: Der eigene Herzschlag,
die Atmung, die Musik aus dem Radio, das Tippen der Kollegen auf der ComputertastAntbyrassel, die
Bahngeräusche der Schienen und vieles mehr. Sie werden sicher schon festgestellt haben, dass Sie manche
Töne nervös machen und andere beruhigen. Diesen Effekt kann man sogar messen. Bestimmte Tonfolgen und
Takte erzeugen entsprechende Reaktionen im Gehirn. Infobox Der therapeutische Einsatz von Musik Mit guter
Laune durch die kalte Jahreszeit Tanzen ist besser als Krafttraining und macht glücklichBeim therapeutischen
Trommeln werden Rhythmus und körperliche Bewegung zur Stressreduktion, bei chronischen Schmerzpatienten
zur Linderung, gegen Aggression und Ängste und in der Suchtbehandlung eingesetzt. Autistische Kinder
sprechen besonders darauf an. Man macht sich hier vor allem die beruhigende Wirkung zunutze. US-Studien
zufolge kann schon eine Übungseinheit in einer Trommelgruppe die Alphawellen im Gehirn (sind bei Ruhe und
Entspannung aktiv) verdoppeln. Beim Trommeln werden außerdem Endorphine (Botenstoffe im Gehirn,
"Glückshormone") ausgeschüttet, die Wohlbefinden erzeugen. Sie wirken schmerzdämpfend und gelten als
körpereigene Opioide.
Neurochirurg und Schmerztherapeut Dr. Reinald Brezovsky, Ärztlicher Leiter des Gesundheitszentrums Döbling
in Wien und selbst seit seinem neunten Lebensjahr Schlagzeuger: "Beim Trommeln wird die Atmung
entschleunigt, die Schwingungen übertragen sich auf den ganzen Körper und wirken entstressend. Konzentration
und Koordination werden spielerisch geschult. Durch den Einsatz beider Hände und auch einzelner Finger findet
ein Prozess im Gehirn statt, der beide Gehirnhälften fordert. Dies macht man sich bei der Behandlung von
Alzheimer-Patienten zunutze. Schmerzpatienten profitieren über die Frequenzen, die man durch Trommeln
erzeugt. Sie bewirken Lockerung und Entspannung."
Die Schlagbewegung der Hände, die nach einer gewissen Zeit auch zu einem individuellen Rhythmus des
Trommelnden führen, haben einen ableitenden Effekt bei aufgestauten Aggressionen. Zusammen mit der bereits
beschriebenen Entspannung ergibt sich daraus ein gutes Mittel bei der Arbeit mit aggressiven,
verhaltensgestörten oder vernachlässigten Kindern und Jugendlichen.
In den USA berufen einige große Firmen bereits Trommel-Zirkel ein, in denen ein Kreis von Mitarbeitern aller
Ebenen - auch die Chefs - zusammenkommen. Das gemeinsame Musizieren baut Ängste ab und schafft
Zusammengehörigkeitsgefühl.
Automatisch kommen einem Bilder aus dem afrikanischen und südamerikanischen Raum in den Sinn. Dort wird
Trommeln bei gemeinsamen religiösen Treffen wie auch bei fröhlichen Festen eingesetzt, aber auch, um sich zu
besinnen, seine Gedanken zu ordnen und Klarheit zu erlangen.
Wenn Sie es selber einmal ausprobieren wollen: Es sind keine Vorkenntnisse nötig. Man muss kein Musiker sein
und auch keine Noten lesen können, sondern einfach seine Gefühle auf das Instrument übertragen. Schon ganz
einfache Klangkörper, die nicht sehr teuer sind und die man auch in Kaufhäusern erhält, sind geeignet. Das kann
jeder für sich alleine versuchen. Oder Sie belegen einen Kurs, bzw. lassen sich bei einer therapeutischen
Einrichtung beraten.
Dr. Brezovsky: "Trommeln ist eine einfache und wirkungsvolle Möglichkeit mit sich in Einklang zu kommen."